EIGENTUM REGELT!

Eigentum regelt!Wenn das der Eigentümer wüsste…
An diesem Bild gibt es viele Dinge, die uns erregen. Einerseits finden wir es schon schön, wenn Menschen Regeln aufstellen. Natürlich nur, solange wir uns nicht daran halten müssen oder die Regel selbst erfunden haben. Wir wissen es zu schätzen, wenn Amateure uns nacheifern und versuchen, grandiose Ordnungsdiktatoren zu werden. Meistens geht das jedoch mangels Talent in die Hose. So auch hier. Doch lasst uns das Bildchen im Detail zerfleddern:

1.) Die Typographie
Ganz offensichtlich handelt es sich um ein Schild aus billiger Baukastenproduktion. Sprich: Der Text „Tor muß stets“ ist wohl standardmäßig vorhanden, nur der weitere Inhalt kann frei gewählt werden. Oder umgekehrt. Genauso gut könnte dort wohl „Tor muß stets bewässert werden“ oder „Pflanze muß stets geschlossen bleiben“ stehen. Das ist uns zu beliebig. So macht man keine Vorschriften. Wer Respekt will, muss auch ein paar Stangen Geriebenes einsetzen.

2.) Die Wortwahl
Regeln funktionieren nach unserer Erfahrung nur dann, wenn der Regelempfänger auch eine tatsächliche Chance hat, sie zu befolgen. Sonst spricht man nicht von Regel, sondern von Willkür. Nicht, dass wir irgendetwas gegen Willkür hätten. Für echte Mikrodiktatoren wie uns ist Willkür eines der schönsten Hobbies der Welt. Aber alles hat seinen Platz und seine Zeit. Wer den Duden zum Wort „stets“ befragt, erfährt schnell, dass es sich um ein Synonym für „jederzeit“ und „immer“ handelt. Falls man es nicht schon vorher wusste. Wie jedoch soll das bei einem Tor funktionieren? Wenn man es jederzeit und immer geschlossen hält, kann es seine Funktion nicht erfüllen. Da wäre eine Mauer wesentlich angebrachter gewesen. Aber so weit hat ganz offensichtlich niemand gedacht. Sehr bedauerlich.

3.) Die Wirkung
Das wir mit unserer Kritik richtig liegen, zeigt das Bild ganz eindeutig. Denn das Tor ist offen. Sperrangelweit. Ein Schuß in den Ofen. Wir können dem Eigentümer nur raten, noch ein paar Nachhilfestunden bei uns zu nehmen. Aber dafür ist er wahrscheinlich zu knickrig. So wird er es noch nicht mal in die Kreisliga schaffen. Was soll’s. Sein Problem.


SEMPER FIDEL!

bo!kassa?Es wird einsam an der Spitze…
Fast vier Monate haben wir uns nun schon in unseren ministerialen Katakomben verschanzt und uns hartnäckig geweigert, ein Update dieser Seite mit der Welt zu teilen. Das hätte auch noch problemlos eine Weile so weitergehen können. Mittlerweile sind wir so kautzig geworden, dass wir uns selbst genug sind. Wir gehen in den Keller, lachen einmal fröhlich und ertragen danach den Rest des Tages ohne weitere Gefühlsregung.
Aber als uns heute die Nachricht erreichte, dass einer unserer besten Kumbls [sic-PA] und Kollegen, der große Fidel Castro, zurückgetreten ist, mussten wir einfach aus der Versenkung auftauchen. Das sind wir der alten Knallcharge schuldig.

Lieber Fidel,

wir, die Minister der Schlimmerheit, Könige Skandaloniens und Hohepriester der Willkür werden Dich sehr auf der politischen Weltbühne vermissen! Weißt Du noch, wie wir gemeinsam vor über 20 Jahren beim internationalen Weltkongress der Unterdrücker den alten Onkel Saddam mit seiner feinen Maßanzugshose auf dem Stuhl festgeklebt haben? Und wie sich der gute Ajatollah Chomeini beinahe vor Freude darüber naß gemacht hätte? Mann, war das ein Spaß damals.

Wie viele von uns Diktatoren der alten Schule sind denn noch an der Macht? Ganz im Ernst. Gut, da ist noch die dauergewellte Schwuchtel aus Nordkorea. Aber wir mochten ja schon seinen Vater nicht, die alte Spaßbremse. Und ein paar von den afrikanischen Kollegen sind auch noch am Start. Aber von uns Großen ist fast keiner mehr übrig, lieber Fidelio. Tante Gaddhafi spielt heute lieber mit Amerikaniern und Franzacken und ist schon seit langem nicht mehr ernstzunehmen. Also bitte – mit dem Zelt zu Sarkozy, der kleinwüchsigen Testosteron-Wieselratte? Lächerlich.
Und diese ganzen Neuzeit-Diktatoren à la Putin und Bush kann man ja wohl getrost in der Pfeife rauchen. Diese kleinen verschissenen Emporkömmlinge mit ihren verkniffenen Arschkrampen. Was bleibt? Sollen jetzt etwa überall Demokratie und Pluralismus einziehen? Keine Leute mehr spurlos verschwinden? Soll jetzt etwa auch der kleine Mann in Europa kubanische Zigarren rauchen können, weil Ihr beim Kapitalismus mitmacht?

Ach, Fidelino. Es ist ein Trauerspiel. Du hast einen Haufen amerikanischer Präsidenten ausgestanden und überlebt. Was haben wir Deine vierzehnstündigen Reden beim Kongress und im Satellitenfernsehen geliebt! Wie besorgt waren wir, wenn Du schon nach acht Stunden zum Ende kamst! Du wirst uns fehlen. Aus diesem Grund haben wir uns heute am Ufer der Mosel zu Deinen Ehren zusammengerottet, eine Zigarre angezündet und ein Dosenbier dazu getrunken. Beim Dosenbier haben wir uns einfach vorgestellt, es sei „Cuba Libre“. Dann haben wir einem Entenpaar gezeigt, wie toll Kommunismus ist, indem wir sie mit Duplo-Riegeln fütterten, bis sie fast Diabetes bekamen. Alles in Gedenken an Dich, den Máximo Líder.

Bleib shugga,
Deine skandaloiden Pritt-Stift-Terroristen
(alte Geigen fideln am Besten!)


DIKTATUR FÜR EINSTEIGER!

bo!kassa?Heute: Jean-Bédel Bokassa
Wir mussten neulich bei einem Gespräch in privater Runde (also wir und andere Intellektuelle) feststellen, dass man dort draussen viel zu wenig über die kleinen und großen Diktatoren dieser Welt weiß. Das ist natürlich höchst frustrierend, denn wie soll die Welt jemals von uns erfahren, wenn sich keiner mehr für Zwergdiktatoren interessiert? Also werden wir Euch nach und nach Kollegen von uns vorstellen, um diesen Mißstand vehement zu bekämpfen.

Heute widmen wir uns daher Onkel Bokassa. Wir mögen zunächst an ihm, dass er in Belgisch-Kongo geboren wurde. Das ist bekanntlich in direkter Nachbarschaft zum belgischen Kaukasus und damit wäre ein Teil des Kreises bereits geschlossen. Er war verwandt mit dem Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, einem Herrn David Dacko. Das ist auch super, erinnert es doch an Graf Dackiputz und schon sind wir wieder ein Stück näher aneinandergerutscht. Nach seiner erfolgreichen Machtergreifung (Yummy – Wir lieben Machtergreifungen), schaffte er die Republik ab und krönte sich selbst zum Kaiser. Ganz nach unserem Geschmack. Wobei – Die Nummer mit dem Kaiser finden wir ein wenig überzogen und zu grellbunt. Deswegen haben wir uns ja auch zu Königen erklärt. Blankes Understatement, sicher, aber dafür liebt man uns.

Unverschämt hingegen finden wir seinen geilen Fernsehsessel, s.Bild. Der müsste nämlich eigentlich in unserem Ministerialkino stehen. Wo sonst würde er so gut hinpassen? Der Style ist ja wohl 100% skandaloid. Aber wir können nicht einfach andere Diktatoren kopieren. Das wäre wie zwei Mal Apfel [sic-PA]. Frustrierend ist es trotzdem.

Gegen Ende lief es dann nicht mehr so toll bei bei Tante Jean-Bédel. Er hätte vielleicht ein bisschen mehr an seine Untertanen denken sollen. So wie wir. Aber nein. Er musste ja alles töten oder schwängern, was ihm vor die jeweilige Flinte kam. Ein bisschen Mäßigung [sic-PA] hätte ihm ganz gut getan.

Trotz allem müssen wir den Verlauf seiner Strafverfolgung nach Ablauf der fetten Jahre bewundernd zur Kenntnis nehmen. Schwester Wikipedia schreibt dazu:

Am 26. Dezember 1980 wurde Bokassa in Abwesenheit wergen Mordes, Folter, Korruption und Kannibalismus zum Tode verurteilt, kehrte aber am 23. Oktober 1986 wieder in seine Heimat zurück, kam in Haft und wurde am 12. Juni 1987 erneut zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 29. Februar 1988 in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt und schließlich auf zwanzig Jahre Haft reduziert. Am 1. September 1993 kam Bokassa in den Genuss einer Generalamnestie, die Präsident André Kolingba anlässlich der Rückkehr zur Demokratie verkündet hatte.

So, liebe Freunde, muss es nach der Diktatorenkarriere laufen. Respekt. Trotz der Sessel-Nummer.